Aufzählung von mehreren gleichrangigen Begriffen:

„Paula, Mirko, Leila und Schorsch“

Aufzählungen mehrerer Begriffe im Fließtext – wie langweilig, werden Sie sagen. Wohl wahr. Ich hätte es zunächst selbst nicht für möglich gehalten, dass sich dieses Thema als Stoff für einen (auch noch längeren) Ratgeberartikel eignet. Vielmehr hat es sich nach und nach an die Oberfläche gearbeitet, bis mir irgendwann klar war, dass es sich gut für einen solchen Artikel eignet. Denn zum einen müssen wohl in fast allen Arbeiten verschiedene Dinge aufgezählt werden, und zum anderen lauern hier ungeahnte Fallstricke, wie ich im Rahmen des Lektorats immer wieder merke. Daher lohnt es sich, dem einmal nachzugehen.

Worum geht es konkret? Angenommen, Sie möchten verschiedene Kategorien, Eigenschaften, Tätigkeiten oder was auch immer beschreiben: Wie stellen Sie es an, dass der Leser die einzelnen Aspekte im Text genau identifizieren kann? Ich lese zum Beispiel oft: Zum einen ist der Aspekt A relevant. Dabei ist auch B zu erwähnen. Hier ist für mich nicht klar, ob B nur ein Unterpunkt von A ist oder aber schon der zweite Aspekt (dann wäre die Verbindung mit „zum anderen“ besser).

Dass Sie zwei Dinge in einem fortlaufenden Satz am besten mit dem schlichten Wort „und“ benennen (oder auch mit „zum einen … zum anderen“ oder „einerseits … andererseits“), hatte ich hier bereits beschrieben, und zwar am Beispiel der Hunde, die auf ihre Eignung für die tiergestützte Pädagogik getestet werden sollen. Was machen Sie nun, wenn nicht nur Pudel Paula und Mops Mirko auf der Matte stehen, sondern auch noch Schäferhund Schorsch und Labrador Leila?

Die übersichtlichste Möglichkeit, mehrere gleichwertige Dinge aufzuzählen, ist eine Liste. Als Aufzählungszeichen werden meist Spiegelstriche oder fette Punkte verwendet. Die einzelnen Begriffe stehen hier unkommentiert hintereinander, zum Beispiel so:

Für die Studie wurden vier Hunde eingesetzt:

  • Pudel Paula
  • Mops Mirko
  • Labrador Leila
  • Schäferhund Schorsch

Eine Liste ist an Klarheit und Übersichtlichkeit nicht zu überbieten. Dennoch sollte sie in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht zu oft verwendet werden. Denn hier geht es eher darum, Beziehungen zwischen den Begriffen zu verdeutlichen, Abstufungen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Das ist nur im ausformulierten Fließtext möglich. Listen sind in wissenschaftlichen Texten nur in wenigen Fällen sinnvoll oder üblich, zum Beispiel wenn in einer medizinischen Dissertation die verwendeten Geräte und Materialien aufgezählt werden.

Statt einer Liste sollten die einzelnen Begriffe daher im Fließtext aufgezählt werden. Das ist bei unserem Beispiel ebenfalls problemlos möglich: Für die Studie wurden vier Hunde eingesetzt: Pudel Paula, Mops Mirko, Schäferhund Schorsch und Labrador Laila. Die ersten drei Begriffe werden durch Kommas voneinander getrennt und vor dem letzten Begriff steht stattdessen ein „und“.

So einfach, so gut. Die einzelnen Dinge (bzw. hier Hunde) sind einwandfrei identifizierbar, daher ist das eine wunderbare und empfehlenswerte Möglichkeit. – Doch auch hier könnten Sie fragen: Wo ist das Problem? Das Problem ist, dass solche einfachen Aufzählungen im Fließtext in der Praxis (zu) selten vorkommen. Oft wird die Benennung der Dinge schon mit der Beschreibung der Situation oder sogar einer Vorwegnahme von Ergebnissen verbunden. Übertragen auf das Hundebeispiel kann das wie folgt aussehen:

Für die Studie wurden vier Hunde eingesetzt: Mit dem Pudel Paula wurde getestet, ob die Aufgaben nicht nur kind‑, sondern auch hundgerecht sind. Dass dies der Fall war, zeigte sich auch daran, dass Mops Mirko in der Therapiestunde freudig dabei war. Labrador Leila hingegen verbrachte zu viel Zeit mit der Suche nach den versteckten Wurststückchen. Daher kam die Interaktion mit den Kindern zu kurz. Ähnlich war es bei Schäferhund Schorsch: Er konzentrierte sich auf die Versuchsanordnung und die Kombination der Verstecke; eine Spielaktion zwischen ihm und den Kindern kam daher kaum zustande.

Es mag ja für den Leser durchaus interessant sein zu erfahren, dass Mops Mirko munter mitmachte, Labbi Leila nur Lust auf Leckerli hatte und Schorsch den Streber spielte. Das hätte der Leser aber mit Sicherheit sowieso noch erfahren. Die reine Aufzählung der Hunde hätte hier erst einmal gereicht.

Im Folgenden möchte ich verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie Sie vorgehen können, wenn mehrere Dinge im Fließtext beschrieben werden sollen.

Praktische Beispiele

Ein gutes Beispiel dafür, wo in einer Bachelor- oder Masterarbeit gleichrangige Dinge aufgezählt werden müssen, ist die Einleitung: Hier wird üblicherweise die Anordnung der Themen dargestellt. Das könnten beispielsweise folgende sechs Punkte sein: die Annahme, von der ausgegangen wird (im Beispiel die Vermutung, dass Pudel für die tiergestützte Pädagogik gut geeignet sind), die Belege, die dafür in der Literatur angeführt werden, die Chancen, die sich aus einer Darstellung des Themas ergeben können, die Darlegung der eigentlichen Untersuchung, die Ergebnisse und das Fazit. Diese Punkte können Sie wie folgt verbinden:

„Zunächst … anschließend … außerdem … darauf aufbauend … zum Schluss“

Mit diesen Begriffen wird die chronologische Reihenfolge von Tätigkeiten (Beschreibung von Aspekten) verdeutlicht. In unserem Beispiel kann dies so aussehen:

Folgende Aspekte werden im Folgenden besprochen: zunächst die Annahme, dass Pudel für die tiergestützte Pädagogik gut geeignet sind; anschließend die Belege, die dafür in der Literatur angeführt werden, und die Chancen, die sich aus einer vertieften Darstellung mit dem Thema ergeben können. Darauf aufbauend folgt die Darlegung der eigentlichen Untersuchung. Anschließend werden die Ergebnisse vorgestellt und ein Fazit gezogen.

Damit der Leser diese Punkte besser den jeweiligen Kapiteln zuordnen kann, können Sie auch die Kapitel nennen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten.

Mit Kapitelangaben

Die vorliegende Arbeit ist wie folgt aufgebaut: In Kapitel 1 wird die Annahme beschrieben, dass Pudel für die tiergestützte Pädagogik gut geeignet sind. In Kapitel 2 werden die Belege aus der Literatur angeführt. Kapitel 3 beschreibt die Chancen, die sich aus einer Beschäftigung mit dem Thema ergeben können. In Kapitel 4 folgt die Darlegung der eigentlichen Untersuchung. In Kapitel 5 werden die Ergebnisse vorgestellt und in Kapitel 6 ein Fazit gezogen.

Das Beispiel hier ist stark stilisiert; in der Praxis wird das Ganze meist aufgelockerter sein. Dennoch kann sich eine gewisse sprachliche Eintönigkeit ergeben. Manchmal wird dann nicht nur „in Kapitel 2“ geschrieben, sondern auch „im zweiten Kapitel“, um etwas Abwechslung in die Beschreibung zu bekommen. Ich halte das nicht für erforderlich, sondern würde bei der einmal gewählten Schreibweise bleiben (übrigens auch nicht „Kapitel zwei“, sondern „Kapitel 2“).

Bei dieser Variante sollten Sie übrigens nicht einfach den Wortlaut der Überschriften wiedergeben. Denn das bedeutet keinen Mehrwert für den Leser; diese Information kann er sich auch aus dem Inhaltsverzeichnis holen. Vielmehr sollten Sie verdeutlichen, wie die Kapitel miteinander in Beziehung stehen (z. B. durch darauf aufbauend … auf dieser Basis …). So wird der rote Faden erkennbar.

Wenn Sie stärker auf die inhaltlichen Aspekte abheben möchten, können Sie auch folgende Variante wählen, bei der die Kapitelangaben in Klammern stehen:

Die vorliegende Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Zuerst wird die Annahme beschrieben, dass Pudel für die tiergestützte Pädagogik gut geeignet sind (Kapitel 1). Anschließend werden die Belege aus der Literatur angeführt (Kapitel 2) und die Chancen dargelegt, die sich aus einer Beschäftigung mit dem Thema ergeben können (Kapitel 3). Auf dieser Basis folgt im Hauptteil der Arbeit die Darlegung der eigentlichen Untersuchung (Kapitel 4). Anschließend werden die Ergebnisse vorgestellt (Kapitel 5) und ein Fazit gezogen (Kapitel 6).

Die folgenden Möglichkeiten sind nicht nur einer Einleitung vorbehalten, sondern können auch in anderen Teilen einer Arbeit verwendet werden.

„Erstens … zweitens … drittens“ usw.

Sie können die einzelnen Begriffe auch durch „erstens … zweitens … drittens“ kennzeichnen:

Folgende Aspekte werden im Folgenden besprochen: erstens die Annahme, dass Pudel für die tiergestützte Pädagogik gut geeignet sind; zweitens die Belege, die dafür in der Literatur angeführt werden, und drittens die Chancen, die sich aus einer Beschäftigung mit dem Thema ergeben können. Es folgt viertens die Darlegung der Untersuchung, fünftens werden die Ergebnisse vorgestellt und sechstens ein Fazit gezogen.

Diese Möglichkeit ist an Präzision kaum zu überbieten. Sie könnte aber sprachlich etwas plump oder stilistisch wenig gewandt wirken. Wichtig ist, dass trotz der scheinbaren Eintönigkeit bei dieser Form bleiben: Statt „drittens“ sollten Sie zum Beispiel nicht auf „anschließend“ ausweichen. Denn dann ist für den Leser nicht erkennbar, dass dies dem dritten Punkt entspricht.

„(1) … (2) … (3)“ usw.

Ähnlich ist die folgende Möglichkeit. Hier wird aber die Nummerierung der Aspekte aus dem Text herausgenommen und in Klammern gesetzt:

Folgende Aspekte werden im Folgenden näher besprochen: (1) zunächst die Annahme, dass Pudel für die tiergestützte Pädagogik gut geeignet sind, (2) dann die Belege, die dafür in der Literatur angeführt werden, (3) und die Chancen, die sich aus einer Beschäftigung mit dem Thema ergeben können. Von zentraler Bedeutung ist (4) die Darlegung der eigentlichen Untersuchung. Abschließend werden (5) die Ergebnisse vorgestellt und (6) ein Fazit gezogen.

Dies ist sprachlich elegant und inhaltlich präzise. Da die Nummerierung den Textfluss nicht beeinträchtigt (die Nummern werden quasi nicht mitgelesen), können die einzelnen Aspekte bereits gewichtet werden: So werden die Punkte 1–3 sowie 5 und 6 jeweils in einem Satz untergebracht. Punkt 4 hingegen steht in einem eigenen Satz. Dies kann inhaltlich legitimiert werden, da Punkt 4 den Hauptteil der Arbeit darstellt.

Diese Möglichkeit kann ich daher vorbehaltlos empfehlen. Idealerweise sollte sie nicht nur einmal im Text verwendet werden, sondern häufiger. Denn bei wiederholter Verwendung erkennt der Leser diese Form der Aufzählung als festes Stilmittel im Text.

Sie lässt sich auch sehr elegant für andere Aufzählungen als die oben beispielhaft verwendeten nutzen, zum Beispiel hier:

Im Folgenden soll die Wirkung der tiergestützten Pädagogik auf Kinder mit (1) kognitiven, (2) sozial-emotionalen und (3) körperlichen Einschränkungen untersucht werden.

(1) Im Rahmen der kognitiven Entwicklung soll besonders die Konzentrationsfähigkeit und die Lern- und Leistungsbereitschaft der Kinder gefördert werden. (…)

Für den Leser ist hier unschwer zu erkennen, dass sich „(1)“ im zweiten Absatz auf die kognitiven Einschränkungen bezieht, die nun weiter erläutert werden. Der Leser wird außerdem – ganz richtig – ahnen, dass anschließend ein Absatz mit „(2)“ und danach einer mit „(3)“ folgen wird. So werden die einzelnen Punkte eindeutig identifizierbar.

Kursivsetzung der zentralen Begriffe

Die zentralen Begriffe können Sie auch kursiv markieren und so optisch erkennbar machen:

Folgende Aspekte werden im Folgenden näher besprochen: zunächst die Annahme, dass Pudel für die tiergestützte Pädagogik gut geeignet sind, sodann die Belege, die dafür in der Literatur angeführt werden, und die Chancen, die sich aus einer Beschäftigung mit dem Thema ergeben können. Dann folgt die Darlegung der eigentlichen Untersuchung. Anschließend werden die Ergebnisse vorgestellt und ein Fazit gezogen.

Verwenden Sie Kursivsatz aber nicht zu häufig, denn sonst verwässert die Wirkung und der Text wird optisch unruhig. Das Ausweichen auf Fettdruck ist übrigens keine Lösung. Denn Fettdruck sollte allein den Überschriften vorbehalten bleiben.

Erwähnung der zentralen Begriffe und anschließend genauere Beschreibung

In der vorliegenden Arbeit werden sechs Aspekte besprochen: die Annahme, die Belege, die Chancen, die Darlegung, die Ergebnisse und ein Fazit. Diese Aspekte werden im Folgenden genauer beschrieben.

Ausgangspunkt der Arbeit ist somit die Annahme, dass Pudel für die tiergestützte Pädagogik gut geeignet sind. Diese Annahme stützt sich auf …

Bei der anschließenden Beschreibung der Belege wird dargestellt, welche Ansichten überwiegend in der Literatur vertreten werden …

Diese Darstellung eignet sich dann, wenn es sich um erklärungsbedürftige Begriffe handelt, die ausführlich beschrieben werden (und zwar noch ausführlicher als hier dargestellt). Dann ist dies aber eine gute Möglichkeit, um dem Leser zu verdeutlichen, um welche (und wie viele) Begriffe es sich handelt. In der auf die Aufzählung folgenden Beschreibung können Sie die jeweiligen Begriffe kursiv setzen oder auch durch einen Absatzwechsel voneinander trennen.

Tipp aus dem Lektorat

Folgendes ist wichtig, damit die Ausführungen gut nachvollziehbar sind und die benannten Dinge problemlos identifiziert werden können: Es muss deutlich sein, worum es überhaupt geht, was also der Oberbegriff der Dinge ist, die benannt werden. Starten Sie nicht wie aus heiterem Himmel mit „erstens“, sondern stellen Sie – wie in den oben angeführten Beispielen – einen einleitenden Satz voran, zum Beispiel: Folgende Aspekte sind hier relevant: erstens … oder: Dabei lassen sich drei Kriterien anführen: erstens …

Aufzählung von mehreren gleichrangigen Begriffen: