Wissenschaftlich schreiben

Wissenschaftliches Schreiben

Was heißt eigentlich wissenschaftliches Schreiben? Wissenschaft ist ein kompliziertes Geschäft. Muss dann nicht auch das Schreiben darüber kompliziert sein?

Das könnte man zumindest annehmen, wenn man wissenschaftliche Texte liest: Verschachtelte Sätze, ungebräuchliche Fremdwörter und umständliche Formulierungen sind keine Seltenheit. Dabei können wir jedoch keinen Zusammenhang zwischen der Komplexität eines Themas und der Sprache feststellen: Einige Verfasser können komplizierteste Sachverhalte wunderbar klar und präzise beschreiben. Andere jedoch haben Probleme, scheinbar Selbstverständliches nachvollziehbar darzustellen. Eigentlich sollten gerade komplizierte Sachverhalte möglichst einfach und klar beschrieben werden, damit auch ein fachlich weniger vorgebildeter Leser sie problemlos verstehen kann.

Grundsätzlich heißt wissenschaftlich schreiben daher nicht kompliziert schreiben, sondern – im Gegenteil – einfach, klar, präzise und eindeutig schreiben. So verbringen wir einen Großteil unserer Arbeit im Lektorat damit, komplizierte Sätze zu vereinfachen: Schachtelsätze zu unterteilen, ungebräuchliche Begriffe durch gängigere zu ersetzen oder Synonyme aufzulösen.

In unseren Blog-Einträgen werden wir immer wieder auf Möglichkeiten eingehen, komplexe Sachverhalte klar und präzise zu beschreiben. Es erfordert Mut, in einer wissenschaftlichen Arbeit bewusst einfach zu schreiben, zum Beispiel auf Substantivierung nach Möglichkeit zu verzichten, auch einmal Verben wie „sein“ oder „haben“ zu verwenden und Füllwörter zu vermeiden. Hier eine kleine Auswahl von häufig verwendeten Formulierungen (Weiteres dazu lesen Sie in den kommenden Wochen):

  • „Diese Methode besitzt Relevanz.“ (besser: „Diese Methode ist relevant.“)
  • „die Märkte sowohl in Europa als auch in Asien“ (besser: „die Märkte in Europa und Asien“)
  • „innerhalb dieses Zeitabschnittes“ (besser: „in dieser Zeit“)
  • „In diesem Jahr erfuhren die Ausgaben eine kontinuierliche Erhöhung.“ (besser: „In diesem Jahr haben sich die Ausgaben kontinuierlich erhöht.“)
  • „Danach erfolgt die Auswertung der Erkenntnisse.“ (besser: „Danach werden die Erkenntnisse ausgewertet.“)

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© Dr. Anette Nagel. Artikel erschienen im Dezember 2015.

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