Schneller bewerben – Kurzbewerbung per E-Mail, Bewerbungsformular oder Karriere-App

„Das Unternehmen möchte eine Kurzbewerbung haben, was soll ich jetzt genau schicken?“ – Diese Frage höre ich häufig und möchte sie daher hier für verschiedene Bewerbungswege – per E-Mail, über ein Bewerbungsformular oder eine Karriere-App – beantworten.

Früher, das heißt, in der guten alten Zeit der schriftlichen Bewerbung, waren die Dinge noch übersichtlich: Bei einer Kurzbewerbung handelte es sich um ein Anschreiben und einen Lebenslauf. Diese wurden in eine Mappe oder auch nur in einen Umschlag gesteckt und ab ging die Post. Okay, manchmal bot es sich an, auch noch das letzte Arbeitszeugnis oder Prüfungszeugnis oder einen aktuellen Fortbildungsnachweis oder ein Referenzschreiben oder … ganz so einfach war es früher also auch nicht. Aber der Reihe nach:

Kurzbewerbung schriftlich / per E-Mail

Die schriftliche Bewerbung ist im Grunde ausgestorben. Selten sind vereinzelte Exemplare dieser schönen Spezies noch anzutreffen, etwa in abgelegenen Sphären einiger kommunaler oder kirchlicher Arbeitgeber oder auf den einsamen Inseln kleiner Handwerksbetriebe. Sie wurde verdrängt durch die leistungsfähigere E-Mail-Bewerbung. Diese kann, vorausgesetzt, es ist ein rudimentäres EDV-Verständnis vorhanden, genauso ansehnlich daherkommen. Sie hat aber den Vorzug, für Absender und Empfänger wesentlich günstiger, schneller und flexibler zu sein. Ansonsten ist alles weitgehend identisch.

Es wird ein Anschreiben formuliert, das sich ausnahmslos – also in der Darstellung Ihrer Kenntnisse und Erfahrungen und Ihrer Motivation – auf die Stelle im Unternehmen bezieht, die Sie gern besetzen möchten. Außerdem ist ein Lebenslauf vonnöten, der Ihren Werdegang und Ihre Qualifikationen ebenfalls mit Blick auf die angestrebte Position ansprechend präsentiert. Um dem Empfänger das Abspeichern der E-Mail-Nachricht zu ersparen, werden beide – also Anschreiben und Lebenslauf – als Anlage der E-Mail-Nachricht angehängt, nachdem sie in eine (einzige) PDF-Datei umgewandelt worden sind (weiter unten das Beispiel einer Begleitmail; zur Erstellung einer Bewerbungsdatei für E‑Mail-Bewerbungen).

Nicht erforderlich ist das Beilegen von Zeugnissen, denn eine Kurzbewerbung besteht immer nur aus Anschreiben und Lebenslauf. Ganz im Gegenteil: Der Aufforderung zu einer Kurzbewerbung liegt der Wunsch des Unternehmens zugrunde, sich nicht durch umfangreiche Bewerbungsportfolios durcharbeiten zu müssen, von denen viele Seiten ohnehin überflüssig sind, zum Beispiel die Auftaktseiten wie Deckblatt oder Inhaltsverzeichnis und die Zertifikate nebst Übersetzungen und Anhängen. Wenn Sie aber einen Nachweis Ihrer Eignung für die Stelle haben, den Sie trotzdem unbedingt mitschicken wollen, dann wird dies nicht zu Ihrem Ausschluss vom Stellenbesetzungsverfahren führen. Dabei sollte es sich aber wirklich um eine Unterlage mit Wow-Effekt handeln, also einen Nachweis über besondere Leistungen (Jahrgangsbeste, Innungssieger, Wirtschafts- oder Wissenschaftspreis, Verkaufs-/Vertriebserfolge).

Sie haben sich oben bei der kurzen Beschreibung des Lebenslaufs sicher gefragt, wie umfangreich dieser denn sein darf, wenn das Unternehmen gern eine schlanke Bewerbung bevorzugt. Die Antwort ergibt sich abermals aus der Natur der Kurzbewerbung, nur aus Anschreiben und Lebenslauf zu bestehen: Der Lebenslauf sollte so knapp wie möglich, aber so ausführlich wie nötig sein. Schließlich soll er alle Informationen enthalten, die der Empfänger (auch ohne Zeugnisse) braucht, um darüber zu entscheiden, ob Sie für die zu vergebende Position infrage komme. Dies ist das Ziel bei jeder Bewerbung, umso mehr aber bei der Kurzbewerbung. Angaben zum Verantwortungsbereich, zu den wichtigsten Aufgaben und Erfolgen zu den Positionen können dazu hilfreich sein. Der Lebenslauf von Führungskräften und Experten kann sich über fünf Seiten erstrecken, ohne auch nur ansatzweise langweilig zu werden. Normalsterbliche Fachkräfte kommen meist mit zwei, manchmal drei Seiten aus.

Kurzbewerbung über ein Bewerbungsformular/-portal

Gehen wir einmal davon aus, Sie haben bereits einen aussagekräftigen Lebenslauf erstellt und bewerben sich um Positionen mit mehr oder weniger identischen Anforderungen. Dann ist eine Kurzbewerbung über ein Bewerbungsformular oder Bewerbungsportal für Sie ideal. Sie können sich ganz auf das Ausfüllen des Formulars konzentrieren. Das ist mit Copy & Paste aus dem Lebenslauf mühelos erledigt. Etwas mehr Aufmerksamkeit wird für die Angaben in eventuellen Bemerkungsfeldern aufgebracht. Haben Sie auch schon ein Anschreiben formuliert, können Sie dort eine Kurzversion des Anschreibens verwenden.

Bei einer Kurzbewerbung über ein Bewerbungsformular wird meist auf das Hochladen von Anlagen verzichtet. Wenn aber doch Anschreiben und Lebenslauf erwünscht sind, dann können Sie sich ein rationales Vorgehen zulegen: Sie erstellen eine immergültige Version des Lebenslaufs als PDF-Datei, wobei Sie Datum und Unterschrift weglassen (auch in diesem Punkt passen wir uns in Deutschland gerade internationalen Gepflogenheiten an, sodass dies akzeptiert wird). Auch können Sie theoretisch das Anschreiben vorproduzieren, indem Sie es auf die Art der gewünschten Position zuschneiden, aber Datum und Empfängerdaten weglassen. Damit Ihre Bewerbung nicht Gefahr läuft, wie eine Massenmail daherzukommen, ist das aber eigentlich nur für Bewerbungen in Berufen, wo händeringend Fachkräfte gesucht werden, ideal.

Kurzbewerbung per Smartphone

Noch einfacher ist das neue Verfahren der Kurzbewerbung per Smartphone. Fast jeder trägt heute einen Minicomputer bei sich. Dies hat dazu geführt, dass viele Menschen keinen anderen Rechner mehr besitzen, was mithin die Bewerbungsprozedur ziemlich mühsam macht. Wer schreibt schon gern längere Texte auf einem Smartphone, ganz zu schweigen von der nicht vorhandenen Möglichkeit, diese zu formatieren?

Also haben sich Großunternehmen eine Lösung ausgedacht, auch das Bewerbungsverfahren smart zu machen. Das Verfahren verwendet Auswahllisten, bei denen die Antwort angeklickt werden kann. Wie bei Multiple-Choice-Aufgaben scheinen die vorgegebenen Möglichkeiten zwar nicht immer die richtige oder die bevorzugte Antwort abzubilden. Angesichts der Schnelligkeit, Flexibilität und Bequemlichkeit dieser Bewerbungsform ist das jedoch zweitrangig. Das Hochladen von Lebenslauf oder Anschreiben entfällt meist; auch das Ausfüllen von Bemerkungsfeldern ist in der Regel nicht nötig. Die Hürde, sich zu bewerben, wird so niedrig wie möglich gehalten.

Nun könnte man glauben, es sollen nur gering qualifizierte Bewerber und Bewerberinnen angesprochen werden. Das ist aber nicht der Fall. Denn gerade weil Unternehmen mehr Bewerbungen von mobilen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erhalten wollen, geht der Trend zur Karriere-App oder Bewerbungs-App. So kann man sich mühelos von unterwegs, während einer Wartezeit oder auch am Strand durch die App klicken. In Deutschland sind solche Apps bei Thyssen Krupp, Daimler, Accenture Deutschland, Fresenius, der Deutschen Telekom oder E-Plus und natürlich in Jobbörsen bereits Standard. Gern angenommen wird auch das Angebot, sich einfach mit dem XING- oder LinkedIn-Profil zu bewerben. Klar, bei diesen mobilen Bewerbungsverfahren geht es vor allem darum, jüngere Nachwuchskräfte anzuziehen. Später, wenn beide Seiten ernsthaftes Interesse haben, finden dann ausführlichere Auswahlverfahren statt. Je nach Stelle kommen wieder der Lebenslauf und ein Motivationsschreiben ins Spiel.

Begleitmail

Die Begleitmail zu einer Kurzbewerbung per E-Mail ist entweder ebenfalls kurz (und zwar dann, wenn Lebenslauf und Anschreiben – möglichst in einer Datei – angehängt werden) oder sie enthält das (komplette) Anschreiben. Letzteres kann ich aber nur empfehlen, wenn das Unternehmen ausschließlich um einen Lebenslauf bittet. Denn eine Mail mit einem ausführlichen Anschreiben muss vom Unternehmen weiterverarbeitet und den Entscheidern zugänglich gemacht werden.

Das Beispiel im Bild oben enthält eine Kurzversion des Anschreibens. Möglich ist auch eine noch knappere Begleitmail, bei der zum Beispiel der zweite und dritte Absatz fast komplett entfallen.

Gern berate ich Sie zur Erstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen.

Schneller bewerben – Kurzbewerbung per E-Mail, Bewerbungsformular oder Karriere-App