Vom Preis abhängig

In Abhängigkeit des Preises

An dieser Stelle berichten wir über Tendenzen und Entwicklungen der Sprache, so wie sie uns in unserer täglichen Arbeit auffallen. Ein großes Themenfeld sind die Präpositionen. In letzter Zeit stolpere ich vermehrt über das Phänomen, dass in wissenschaftlichen Texten Präpositionen weggelassen oder mit einem anderen Kasus als üblich, gern mit dem Genitiv, verwendet werden.

So lese ich manchmal die Wendung „in Abhängigkeit des Preises“. Gemeint ist damit: Etwas hängt vom Preis ab. Im Grunde steht dort aber, dass der Preis selbst von etwas (nicht Genanntem) abhängt, nämlich zum Beispiel: die Abhängigkeit des Preises von der wirtschaftlichen Entwicklung.

Auf das „von“ kann jedoch nicht verzichtet werden, denn es gibt an, wovon etwas – hier der Preis – abhängig ist. Dies zeigt sich bei der Verwendung des Verbs: Etwas ist von etwas abhängig, zum Beispiel von einem Preis. Diese Kopplung an „von“ und den Dativ gilt auch in der substantivierten Form. Richtig ist daher: „die Abhängigkeit vom Preis“. Es gibt keinen Grund, die Präposition wegzulassen und den Genitiv zu verwenden, also zu schreiben: „die Abhängigkeit des Preises“. So wird auch jeder die Wendung „die Abhängigkeit des Drogensüchtigen“ verstehen: Gemeint ist nicht, dass etwas von einem Drogensüchtigen abhängig ist, sondern dass der Drogensüchtige abhängig ist, und zwar von einer Droge.

Übrigens wird gelegentlich der Genitiv auch wieder auf die Verbstellung übertragen. So lese ich manchmal: „Dies ist abhängig des Preises.“ Vielleicht klingt dies für einige Verfasser wissenschaftlicher als das schlichte: „Dies ist vom Preis abhängig“? Korrekt ist es jedoch nicht, und daher ändere ich es.

Mein Tipp: Haben Sie den Mut, gebräuchliche Wendungen auch so zu verwenden. Nicht immer ist der Genitiv die bessere Lösung. Oft ist er sogar schlichtweg falsch.

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© Dr. Anette Nagel. Artikel erschienen im Januar 2016.

In Abhängigkeit des Preises