Beim Skype-Interview

Mit Boxershorts im Skype-Interview: Wie Sie sich am besten auf ein telefonisches Vorstellungsgespräch oder Videointerview vorbereiten!

Vor einigen Jahren habe ich erlebt, wie ein Teilnehmer am Schluss eines Skype-Interviews aufgestanden ist und man sah, dass er nur eine Boxershorts unter Hemd und Krawatte anhatte. Worauf Sie bei telefonischen Vorstellungsgesprächen und Videointerviews – neben vollständiger Kleidung – achten sollten und welchen Sinn solche Instrumente im Auswahlverfahren haben.

Sie haben eine Bewerbung verschickt und erhalten eine Einladung – aber nicht zum persönlichen Gespräch, sondern zu einem Telefoninterview oder Videointerview. „Was soll das?“, werden Sie sich vielleicht fragen, „warum wollen die mich nicht persönlich treffen?“

Ganz klar, mit einer Einladung zu einem telefonischen Vorstellungsgespräch oder einem Videointerview per Skype oder einem anderen Dienstleister sind Sie auf jeden Fall einmal einen Schritt weiter. Wo früher mehrere Gespräche oder auch andere Auswahlverfahren vor Ort im Unternehmen durchgeführt worden sind, werden heute aus praktischen Erwägungen heraus Instrumente vorgeschaltet, die sich auf Distanz bewältigen lassen. Dazu gehören die Bewerbung über ein Bewerbungsportal, Online-Eignungs- und Persönlichkeitstests und eben Telefoninterviews oder Videointerviews.

Vorteile von telefonischen Vorstellungsgesprächen und Videointerviews

  • Unternehmen mit mehreren Standorten können die Interviews von der zentralen Personalabteilung aus für die Standorte durchführen.
  • Es können leichter Bewerber/-innen eingeladen werden, die nicht in der Umgebung wohnen. Dies ist angesichts des heutigen Bewerbermarktes und der globalisierten Unternehmen wichtig.
  • Die Kosten für das erste Gespräch sind wesentlich geringer, weder Interviewer noch Bewerber müssen anreisen.
  • Es kann eine Vorauswahl aus einer größeren Anzahl an Bewerbern in kürzerer Zeit getroffen werden.

Auch für Sie als Bewerber hat ein Telefoninterview oder ein Videointerview einige Zeit- und Kostenvorteile. Sie können ebenfalls in einem kürzeren Zeitraum mehrere Unternehmen kennenlernen, müssen sich nicht extra bzw. so lange für ein Gespräch freinehmen, und es gibt keine Diskussion über die Reisekosten, die ja durchaus nicht immer von den Unternehmen getragen werden (obwohl diese eigentlich zur Erstattung der Kosten für ein Zugticket zweiter Klasse und bei Anreise mit dem Pkw der Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer verpflichtet sind). Manche Menschen fühlen sich zu Hause auch einfach wohler als in einer fremden Umgebung nach einer möglicherweise stressigen Anreise. Daher kann es für beide Seiten sinnvoll sein, wenn das erste Gespräch auf Distanz geführt wird.

Inhaltlich können Sie sich auf ein telefonisches Vorstellungsgespräch oder ein Videointerview genauso einstellen wie auf ein normales Vorstellungsgespräch. Meist wird in der Einladung erwähnt, welche Themen im Interview angesprochen werden, wer das Interview führen und wie lange es in etwa dauern wird. Wenn nur die allgemeine Aussage gemacht wird, dass man „Sie gerne kennenlernen“ möchte, können Sie aus der Funktion des Interviewpartners trotzdem ungefähr herleiten, welche Richtung das Gespräch nehmen wird. Ein damit beauftragter Fachvorgesetzter wird an „seinen“ Themen interessiert sein; zum Beispiel werden Sie mit einem Leiter Konstruktion leicht in ein Fachgespräch kommen und sich über Anforderungen und Lösungen bestimmter Konstruktionsprojekte unterhalten. Ein Personalleiter oder Personalberater dagegen führt eher ein klassisches Interview und fragt Sie mehr nach Ihrem bisherigen Werdegang, Ihren persönlichen Leistungsanreizen oder Ihrer Wechselmotivation.

Auch die angekündigte Dauer eines Gesprächs gibt einen Hinweis auf die Inhalte: Bei einem 15- bis 30-minütigen Interview sind in erster Linie Fragen zu Ihrer Person, ggf. nach Auffälligkeiten im Lebenslauf zu erwarten. Ist eine Stunde oder mehr angesetzt, wird es sich um ein vollständiges Vorstellungsgespräch handeln.

Den Auftakt des Gesprächs machen in jedem Fall die Begrüßung und der Dank für Ihr Interesse, anschließend werden je nach Gesprächsdauer Ihre Motivation und Eignung für die Stelle mehr oder weniger intensiv abgeklopft. Sie werden also nach Ihren Kenntnissen, Erfahrungen und Fähigkeiten, nach Ihrer Motivation, Ihren Stärken und Zielen gefragt. Den Abschluss machen ein erneuter Dank und meist auch ein Hinweis auf das weitere Auswahlverfahren.

Wichtigste Fragen in Telefoninterviews und Onlineinterviews

  • Warum interessieren Sie sich für die Stelle?
    (Hier können Sie Interesse an den Aufgaben, an der Herausforderung, am Unternehmen bekunden.)
  • Warum meinen Sie, der/die Richtige dafür zu sein?
    (Auf diese Frage nennen Sie Ihre wesentlichen Kompetenzen, also Kenntnisse, Erfahrungen, Fähigkeiten und Stärken für die Stelle.)
  • Welche Themen und Projekte stehen zurzeit im Zentrum Ihrer Arbeit?
    (Sie sollten zwei, drei Inhalte nennen können, die Bezug zu den Aufgaben in der angestrebten Stelle haben.)
  • Was sind Ihre Ziele? Wo sehen Sie sich in zwei oder fünf Jahren?
    (Seien Sie authentisch und erläutern Sie, wo Sie beruflich hinwollen, idealerweise im Einklang zu der Position, auf die Sie sich bewerben.)
  • Bei (zukünftigen) Führungskräften und Experten: Welche Erfolge haben Sie in der letzten Zeit erreicht?
    (Wenn Zielorientierung und Leistungsfähigkeit abgefragt werden, punkten Sie am besten mit konkreten Zahlen, Daten, Fakten.)
  • Haben Sie noch Fragen an uns?
    (Bereiten Sie einige Fragen zum Unternehmen, zum Bereich oder zu den Aufgaben vor, die Sie sich nicht schon aus Internetseite und Stellenanzeige beantworten konnten.)
  • Welche Gehaltsvorstellung haben Sie und wann können Sie uns zur Verfügung stehen?
    (Auch bei Telefon- und Videointerviews werden solche Dinge angesprochen. Sie sollten wissen, welches Gehalt Sie unter den gegebenen Bedingungen verlangen können, und die Kündigungsfristen bzw. Regelungen Ihres Arbeitgebers bei Ausscheiden kennen.)

Haben Sie auf diese Fragen überzeugende Antworten und können Sie diese im Großen und Ganzen auch sicher und freundlich rüberbringen, ist das meiste schon geschafft! Wenn Sie dann noch Informationen zum Unternehmen und dem Gesprächspartner gesammelt und Ihre Bewerbungsunterlagen parat haben, sind Sie inhaltlich bereit für das Interview.

Nun sind bei der Vorbereitung auf telefonische Vorstellungsgespräche und Onlineinterviews nur noch die Rahmenbedingungen sicherzustellen: Verbannen Sie alle potenziellen Störquellen, schalten Sie Telefon, Handy und Klingel aus, informieren Sie Familienangehörige, dass und aus welchem Grund Sie in der nächsten Stunde in Ruhe telefonieren müssen, und telefonieren Sie lieber von einem Festnetzanschluss, damit keine Funklöcher das Gespräch unterbrechen können.

Bei Videointerviews achten Sie zudem auf einen neutralen Hintergrund, einen geraden Blick in die Kamera und ein ansprechendes Erscheinungsbild. Vollständig angezogen zu sein, hilft – auch mental – bis zum Schluss einen guten Eindruck zu machen!

Weitere Fragen zum Vorstellungsgespräch beantworte ich gern in einer Beratung.

Mit Boxershorts im Skype-Interview: Wie Sie sich am besten auf ein telefonisches Vorstellungsgespräch oder Videointerview vorbereiten!